Semesterticket 2011 Zuletzt geändert am: 07.02.2013

Abstimmung zum Semesterticket, Stand: 3. Mai 2011

Eine wichtige Anmerkung vorweg: Der FSR Verkehr möchte mit dieser Antwortsammlung keineswegs dazu aufrufen, gegen ein sachsenweites Semesterticket zu votieren. Wir sehen uns aber – unserem Fachgebiet entsprechend – dazu berufen, die Studierenden über die Für- und Gegenargumente eines sachsenweiten Semestertickets in Kenntnis zu setzen. Die Gewichtung der Argumente, die letztlich zu einer Entscheidung für oder gegen die Ticketerweiterung führt, darf und soll jeder Student/jede Studentin selbst treffen.

Einleitung

Seit dem 1. Oktober 2010 haben die Direktstudenten und -studentinnen der TU Dresden die Möglichkeit, zusätzlich zu den Verkehrsmitteln im Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) kostenlos den Schienenpersonennahverkehr in ganz Sachsen zu benutzen. Diese Erweiterung ist seitdem mit Mehrkosten von 33,90 Euro/Semester verbunden; ab nächstem Semester 34,80 Euro. Wie vor der Einführung angekündigt ist noch bis zum 14. Mai erneut eine Online-Abstimmung freigeschaltet, bei der die Studierenden der TU befragt werden, ob sie diese Zusatzleistung auch in Zukunft behalten und bezahlen möchten.

Der FSR Verkehr begrüßt ausdrücklich die Entscheidung des Studentenrats (StuRa), die Studenten zu dieser spürbaren Anhebung der Semesterbeiträge zu befragen. Zumal es einen entscheidenden Unterschied zur letzten Semesterticket-Umfrage vor mehr als einem Jahr gibt: Diesmal ist der Mehrpreis für die Zusatzleistung bekannt und die Studierenden konnten bereits mehrere Monate lang persönlich testen, wie häufig sie das sachsenweite Semesterticket überhaupt nutzen. Im Falle einer Ablehnung erstreckt sich der Gültigkeitsbereich des Tickets ab dem Herbst wieder über den VVO, wie es bis zum Sommersemester 2010 der Fall war.

Das sachsenweite Semesterticket bietet erweiterte Mobilitätsmöglichkeiten für Studierende, die Zusatzkosten dafür müssen allerdings von allen über 42.000 Studentinnen und Studenten der teilnehmenden Dresdner Hochschulen getragen werden. Darüber, ob tatsächlich eine Mehrheit aller Studierenden das sachsenweite Semesterticket befürwortet und dafür einen Zusatzbeitrag bezahlen möchte, wird nur die geheime, möglichst repräsentative Abstimmung im Mai Aufschluss geben. Die derzeitige StuRa-Werbekampagne wird der zu diesem Zweck erforderlichen beeinflussungsfreien Information nicht gerecht.

Weil der FSR Verkehr aber grundsätzlich der Meinung ist, dass man sich vor dieser weitreichenden Entscheidung ausreichend informieren sollte, möchten wir im Anhang zu den wichtigsten Argumenten in der Semesterticket-Diskussion aus unserer Sicht möglichst meinungsneutral Stellung nehmen.

In der Hoffnung auf eine faire und repräsentative Abstimmung Anfang Mai,
der FSR Verkehr

Rückmeldungen gerne an: semesterticket (bei) fsr-verkehr.de

Argumente

Wie und wo kann ich abstimmen?
In den letzten Tagen müsstest du über deine Mailadresse Vorname.Nachname@mailbox.tu-dresden.de eine Mail mit einem anonymisierten Teilnahmelink bekommen haben. Er führt dich zur Webseite, auf der du online für ("Ja") oder gegen ("Nein") das sachsenweite Semesterticket stimmen kannst. Wichtig zu wissen ist, dass sich die Umfrage lediglich auf die Erweiterung des Semestertickets auf ganz Sachsen bezieht, nicht auf die Gültigkeit des Tickets im Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). Deine Unimails kannst du unter folgendem Link abrufen: https://mail.zih.tu-dresden.de/horde/

Ist man mit dem sachsenweiten Semesterticket in ganz Sachsen mobil?
Ja, aber nur zum Teil. Grundsätzlich gilt das Semesterticket im Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) in allen Nahverkehrsmitteln, also neben dem Bahn-Regionalverkehr auch in Bus und Straßenbahn sowie auf den meisten Elbfähren. Überall außerhalb des VVO gilt das Ticket nur in den Regionalzügen der Deutschen Bahn und privater Eisenbahnunternehmen. Das Ticket gilt aber nicht in Fernzügen (ICE, IC/EC, Vogtlandexpress, InterConnex) und den Bussen und Straßenbahnen außerhalb des VVO (zum Beispiel in Leipzig oder Chemnitz). Analog zum VVO-Ticket gilt es auch nicht in Sonderverkehrsmitteln wie den meisten Schmalspurbahnen.

Kann ich bei Fahrten innerhalb Sachsens durch das sachsenweite Semesterticket Geld sparen?
Prinzipiell schon. Jeder Student sollte sich allerdings selbst ausrechnen, ob sich die Mehrkosten von 34,80 Euro für das sachsenweite Semesterticket für ihn rentieren. In der folgenden Tabelle haben wir dargestellt, wie viel Geld ihr durch das sachsenweite Semesterticket pro Fahrt spart. Dass ihr teilweise gar nichts spart, liegt daran, dass einige Städte und Ausflugsregionen auch schon mit dem bisherigen VVO-Semesterticket erschlossen sind. Natürlich könnt ihr auf einigen Strecken auch noch Geld sparen, wenn ihr statt der Bahn Mitfahrgelegenheiten nutzt. Dann reduziert sich die Einsparung durch das sachsenweite Semesterticket entsprechend.

Liste der 15 größten Städte Sachsens (nach Einwohnerzahl)

Stadt Im VVO? Einsparung durch sachsenweites Semesterticket?

Leipzig

Nein

11,70 Euro

Chemnitz

Nein

10,70 Euro

Zwickau

Nein

18,30 Euro

Plauen

Nein

21,00 Euro (mit Sachsenticket)

Görlitz

Nein

13,90 Euro

Freiberg

Nein

3,30 Euro

BautzenNein7,20 Euro
FreitalJa0,00 Euro
PirnaJa0,00 Euro
HoyerswerdaJa0,00 Euro
RiesaJa0,00 Euro
RadebeulJa0,00 Euro
ZittauNein13,90 Euro
MeißenJa0,00 Euro
DelitzschNein15,80 Euro

Alle Preise einfache Fahrt ohne BahnCard. Mit BahnCard entsprechend 25 bzw. 50 Prozent Rabatt.

Werden für Studierende, die außerhalb Dresdens wohnen, durch das sachsenweite Semesterticket die "Dellen" des VVO im Osten und Südwesten geschlossen?
Die wichtigste Aufgabe eines Semestertickets ist es wohl, die Studenten vom Wohnort zur Universität zu bringen.
In der Tat erfüllt ein VVO-Semesterticket diese Aufgabe in Ost-West-Richtung nur bedingt. Wichtige und von Dresden nicht sehr weit entfernte Städte wie Bischofswerda oder Freiberg sind im VVO nicht inbegriffen. Bei der letzten Semesterticket-Umfrage gaben allerdings lediglich 4,5 Prozent der Studenten an, dass sie mehrmals pro Woche von außerhalb in das VVO-Gebiet pendeln.

Können auch nicht-sächsische Studenten auf ihrem Weg in die Heimat Geld sparen, wenn sie das sachsenweite Semesterticket bis zur Landesgrenze nutzen?
Dies lässt sich nicht eindeutig beantworten. Wenn ihr mit Normalpreisen unterwegs seid, spart ihr etwas, wenn ihr nur eine Fahrkarte für eine kürzere Strecke bucht.
Bei kontingentierten Sparpreisen im Fernverkehr ist es hingegen manchmal unerheblich, ob ein Ticket erst ab Leipzig oder schon ab Dresden gilt, weil sie nicht entfernungsabhängig bepreist werden (Stichwort: Durch ganz Deutschland für 29,- Euro).
In Richtung Berlin und Brandenburg stellt sich durch das sachsenweite Semesterticket keine Verbesserung ein, weil die Strecke ins brandenburgische Elsterwerda bereits komplett vom VVO abgedeckt wird. Für einen Großteil der Studenten aus Sachsen-Anhalt und Thüringen ist das Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen-Ticket weiterhin die günstigste Heimreise-Möglichkeit. Dieses gilt bereits ab Dresden. Auf der Fahrt nach Bayern besteht der Nachteil darin, dass das Semesterticket im Gegensatz zum Sachsenticket nicht mit dem Bayernticket kombiniert werden darf. Deswegen ist dort zur Überbrückung eine zusätzliche Fahrkarte notwendig. In der Regel ist diese Kombination allerdings preiswerter als Varianten ohne sachsenweites Semesterticket.

Ist der Preis für das Semesterticket angemessen?
Diese Frage ist wohl nur von jedem persönlich zu beantworten und hängt stark von der Nutzungshäufigkeit ab. Vergleiche mit Semestertickets anderer Unis sind nur schwer zu ziehen, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis in erster Linie vom Verkehrsangebot abhängt. Zudem haben manche Hochschulen bessere Konditionen, weil die Verkehrsunternehmen die Nutzungshäufigkeit des Tickets niedriger einschätzen. Bei der kommenden Abstimmung ist aber zwischen dem VVO-Anteil (derzeit 105,60 Euro) und der Erweiterung auf Sachsen (derzeit 33,90 Euro) zu unterscheiden. Der VVO-Anteil bleibt unabhängig vom Abstimmungsergebnis in jedem Fall erhalten und ist weiterhin zu zahlen.

Gab es nicht bei der ersten Abstimmung vor mehr als einem Jahr bereits eine Mehrheit pro sachsenweites Semesterticket?
Das ist richtig, im Sommersemester 2010 haben sich 50,5 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage für das sachsenweite Semesterticket ausgesprochen; dies entspricht einem Vorsprung von 46 Stimmen. Allerdings war zum damaligen Zeitpunkt noch kein Preis bekannt. Die Fragestellung war daher recht theoretisch. Das Ergebnis sollte mit der erneuten Umfrage in diesem Jahr noch einmal überprüft werden.

Warum kann man das sachsenweite Ticket nicht optional "dazubuchen"?
Für ein optionales Semesterticket (wie es z.B. an der Uni Leipzig existiert) würde die Bahn deutlich höhere Beiträge verlangen, weil sie dann damit rechnen muss, dass jeder ihrer Kunden das Ticket auch nutzen würde. Der StuRa spricht im Zusammenhang mit dem Semesterticket deshalb vom Solidarprinzip. D.h. dass die Masse einzahlt, damit insgesamt günstigere Konditionen für alle verhandelt werden können und unterschiedliche Einkommen sozial ausgeglichen werden. Allerdings stellt sich die Frage, ob auch Wochenend-Heimfahrten oder Festivalbesuche zwingend von der Gemeinschaft getragen werden müssen.

Ist es nicht wünschenswert, wenn umweltfreundliches Bahnfahren für Studenten günstiger wird?
"Gut für die Umwelt. Gut für Dich." ist eine Medaille mit zwei Seiten: Zwar ist es sinnvoll, wenn Studierende dank des Semestertickets vom Auto auf den Zug umsteigen. Auf der anderen Seite gilt in der Verkehrswissenschaft der Grundsatz, dass bereitgestellte Möglichkeiten vom Menschen auch genutzt werden. Wenn die Kosten für das sachsenweite Semesterticket also pauschal bezahlt sind, wird es wohl auch für Fahrten genutzt, die vorher nicht gemacht worden wären (zum Wäschewaschen mal schnell nach Hause…). Das heißt "induzierter Verkehr" und der ist in der Regel schlecht für die Umwelt.
Den Dresdner Stadtverkehr hat die Einführung des DVB-Semestertickets vor einigen Jahren zum Beispiel stark verändert: Während die Studenten zuvor von der Wundtstraße zum Hörsaal gelaufen oder geradelt sind, haben danach viele das Angebot genutzt, "kostenlos" mit dem Bus fahren zu können. Dieser induzierte Verkehr hat auf den Linien 3 und 61 einen Namen: "Studenten-Shuttle".
Sachsenweit ist die zusätzliche Nachfrage durch ein Semesterticket der TU Dresden wohl weniger spürbar und es wird auch kein zusätzlicher Regionalexpress nach Leipzig eingesetzt. Wer hier statt des Pkw die Bahn nutzt, tut tatsächlich etwas für die Umwelt.
Allerdings ist die Annahme, ein Flatrate-Semesterticket für den öffentlichen Nahverkehr sei grundsätzlich gut für die Umwelt, nicht richtig. Die Frage ist immer, womit die zusätzlichen Fahrgäste vorher mobil waren und ob sie überhaupt gefahren sind.